Während bei Säugetieren Haare eine essentielle Funktion bei der Wärmeisolierung einnehmen, haben die Kopfhaare beim Menschen diese Bedeutung nicht (mehr). Trotzdem ist uns, selbst wenn wir nicht besonders eitel sind, das Kopfhaar ziemlich wichtig. Grund genug, etwas mehr über unser Haar zu erfahren.
Um Haare wirklich optimal zu pflegen und stylen zu können, ist es wichtig zu verstehen, was Haare eigentlich sind, wie sie aufgebaut sind und wie sie wachsen. Dabei ist vieles an unserem Haar genetisch bedingt, sei es die Grundstruktur, die Farbe aber auch der Wachstumsprozess an sich. Erfahre hier mehr über den Haaraufbau, über die Phasen des Haarwachstums, warum es graue Haare an sich eigentlich nicht gibt und welche Faktoren wir beeinflussen können.
DAS SIND DIE THEMEN:
Ein paar Zahlen und Fakten über unsere Haare
Der Aufbau des Haares
Die Schichten des Haares
Die Haarfarbe
Die Phasen des Haarwachstum
Was begünstig schön aussehende Haare?
Ein paar Zahlen und Fakten über unsere Haare:
- Auf unserer Kopfhaut befinden sich zwischen null und 150.000 Haare, im Durchschnitt sind es ca. 100.000 Haare.
- Unser Haar wächst zwischen 0,2 bis 0,5 mm pro Tag, also ca. 7 bis 18 cm pro Jahr.
- Es wächst durchschnittlich 5 Jahre lang, bevor es damit aufhört und schließlich ausfällt, damit wird es ungeschnitten ca. 90 cm lang. Haarlängen von über 1 m sind eine Seltenheit.
- Sobald wir unser Haar sehen, ist es bereits vollständig verhornt und somit „tot“. Das sichtbare Haar kann also gar nicht gesund sein oder sich regenerieren. Wir können es nur pflegen und so seine Struktur und schöne Optik erhalten.
Der Aufbau des Haares
Unsere Haare sind in die Haut eingebettet. Sie bestehen aus dem sichtbaren Teil, dem Haarschaft, und dem in der Haut verankerten Teil, der Haarwurzel.
Die Haarwurzel ist eine schlauchartige Einstülpung der Epidermis in die Dermis. Im unteren Teil der Haarwurzel, der Haarzwiebel, stülpt sich die Dermis als Haarpapille in das Keratinozytengewebe. Die in der Haarzwiebel sitzenden Keratinozyten können so über Blutkapillare mit Nährstoffen versorgt werden. Diese Keratinozyten teilen sich ständig und bilden so das Haar. Stark vereinfacht ausgedrückt verdrängen sie dabei die vorigen Zellen Richtung Hautoberfläche und verhornen dabei Schritt für Schritt.
Das so entstehende Keratin bildet als tote Hornschicht den stabilen Haarschaft. Das aus der Haut austretende, sichtbare Haar ist vollständig verhornt und enthält keine lebenden Zellen. Somit kann das Haar nicht krank oder gesund sein, es kann nur optisch als ansprechend oder als strapaziert wahrgenommen werden.
Zu jedem Haar gehört mindestens eine Talgdrüse, die sich im oberen Bereich der Haarwurzel zum Haar hin öffnet sowie ein Muskel, dessen Wirkung wir bei der Gänsehaut wahrnehmen können.
Die zwei (drei) Schichten des Haares
Die meisten verhornten Zellen positionieren sich spindelförmig in Längsrichtung des Haares und bilden so den Cortex. Dieser ist die mittlere, tragende Faserschicht des Haares und macht gut 80% der Haarmasse aus. Er enthält auch die Melatoninpigmente, die dem Haar seine Farbe verleihen. Außerdem bestimmt er, ob das Haar glatt oder lockig ist.
Um den Cortex verhornen die Zellen zu flachen Plättchen, die sich dachziegelartig an den Cortex anlegen. Diese Schicht wird als Cuticula bezeichnet. Sie enthält keine Farbstoffe, durch den schuppenartige Aufbau sorgt sie aber für Reflexionen, die zum gewünschten seidigen Glanz des Haares führen.
Der innerste Kern des Haares wird als Medulla bezeichnet. Dieser hat keine wesentliche Funktion und ist beim menschlichen Haar auch nicht mehr bei jedem Haartyp vorhanden. So besitzt feines Haar oft keine Medulla.
Die Haarfarbe
Neben den Keratinozyten sind in der Haarwurzel auch Melanozyten bzw. farbstoffbildende Zellen vorhanden. Die Haarfarbe kann einer von zahlreichen Zwischentönen zwischen den Extremen hellblond, schwarzbraun und fuchsrot sein. Zwei Farbstoffe sind für das Entstehen des Tones verantwortlich: das dunkelbraun scheinende Melanin und eine Gruppe rötlicher Farbstoffe.
Weiß oder doch grau?
Die Entstehung von unpigmentierten, weißen Haaren ist eine Alterserscheinung. Da diese weißen Haare noch neben normal pigmentierten Haaren stehen können, entsteht optisch ein Grauton. Dabei gibt es graue Haare im eigentlichen Sinn nicht, da es kein graues Farbpigment in den Haaren gibt. Die Gründe für das Aufhören der Pigmentproduktion ist nicht bekannt und kann nicht seriös aufgehalten oder rückgängig gemacht werden.
Die Phasen des Haarwachstums
Haare wachsen in der Regel ca. 5 Jahre, bevor die Zellteilung langsam abnimmt und schließlich zum Stillstand kommt. Dabei durchlaufen sie drei Phasen:
Die drei Phasen
In der Anagen Phase teilen sich die Keratinozyten lebhaft, das Haar wächst. Diese Phase dauert zwischen 2 und 7 Jahren.
Die Übergangsphase wird Katagenphase genannt. In dieser Zeit verkürzt sich die Haarwurzel, die Keratinozyten verkümmern. Es bleibt nur die Stammzelle des Haares in der Mitte der Haarwurzel erhalten. Die Katagenphase dauert ca. 2 bis 3 Wochen.
Nach einer ca. 2 bis 4 Monate dauernden Ruhephase (Telogenphase) beginnt ausgehend von der Stammzelle wieder erneut das Haarwachstum.
Ein Haar fällt nicht automatisch aus, weil es nicht mehr wächst. Manche Haar haften noch mehrere Wochen in der Kopfhaut, bis schließlich in der neuen Anagenphase ein neues Haar zu wachsen beginnt und das alte Haar endgültig abfällt.
Was begünstig schön aussehende Haare?
Sowohl Struktur, Form und Farbe als auch der Prozess des Haarwachstum bzw. der Zeitpunkt, ab dem eine Haarwurzel keine Haare mehr produziert, sind zum größten Teil genetisch bedingt.
Weitere wichtige Faktoren für schön aussehende Haare sind jedoch ein gesunder Lebensstil und die damit verbundene ausreichende Nährstoffversorgung. Vitamine wie Vitamin A, C, D und E sowie Eisen, Zink, Calcium und z.B. Magnesium sind wichtig für ein gesundes Haarwachstum. Da die Haare zum Großteil aus der Eiweißverbindung Keratin bestehen, begünstigen auch eine protein-reiche Ernährung z.B. bestehend aus Fisch (z.B. Thunfisch, Forelle, Lachs,...), magerem Fleisch, Milchprodukten wie Käse (z.B. Parmesan, Bergkäse,...) oder Hülsenfrüchten (z.B. Erbsen, Sojabohnen, Linsen,...) das Aussehen der Haare. Grundsätzlich ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit frisch zubereiteten Lebensmitteln, Kräutern und Gewürzen wichtig für einen optimal ablaufenden Haarzyklus.
Auch die verschiedensten Hormone haben einen Einfluss auf das Haarwachstum. Eher negativ wirken v.a. männliche Geschlechtshormone, die als Hauptgrund für den erblich bedingten Haarausfall gelten, während weibliche Hormone den Haarzyklus eher positiv beeinflussen. Hormonschwankungen in der Schwangerschaft bzw. der Menopause wirken sich wiederum negativ aus. Auch Schilddrüsenerkrankungen können genaus wie altersbedingte Faktoren das Haarwachstum beeinflussen.
Wann sollte man ärztlichen Rat einholen?
Plötzlich auftretender, deutlich vermehrter Haarausfall, in kurzer Zeit erscheinende kahle Stellen oder büschelweise ausfallende Haare beim Kämmen können Anzeichen auf eine ernste Erkrankung sein. Zögere also nicht, ärztlichen Rat einzuholen. Auch wenn die Ursachen in vielen Fällen harmlos sind, macht eine Abklärung unbedingt Sinn!
Hinweis: Die Inhalte dieser Seite sind in keiner Weise Ersatz für medizinische Beratung oder ärztliche Behandlung. Inizio möchte außerdem keine Anleitung zur Selbstdiagnose geben, die Inhalte dienen nur der Basis- bzw. Zusatzinformation. Ziehe bei ernsthaften oder anhaltenden Problemen umgehend ärztlichen Rat hinzu.

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