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Meerwasserentsalzungsanlagen - endlich Trinkwasser

Meerwasserentsalzungsanlagen, Segen oder Fluch

Wasser und Salz

Es gibt nicht viele Orte auf der Insel Lanzarote, von denen man es nicht sieht: das allgegenwärtige Meer. So reich mit Wasser umgeben fehlt es trotzdem an allen Ecken und Enden. Auf der Insel regnet es dank der niedrigen Berge und der starken Winde sehr selten (weniger als 20 cm pro Jahr) und so bleibt das kostbare Trinkwasser aus.

Früher waren die Einwohner sehr erfinderisch, um das wenige Wasser auf der Insel aufzufangen und zu speichern. Später wurde das Trinkwasser mit Schiffen von Gran Canaria und Teneriffa herüber geschifft. Vor allem als in den 1960er der Tourismus angekurbelt werden sollte, war der Wasserverbrauch definitiv zu hoch und man musste sich etwas überlegen. Man begann, das für Mensch, Tier und Vegetation notwendige Nass dem Meer abzuringen. Und so entstand auf Lanzarote die erste Meerwasserentsalzungsanlage Spaniens.

Die Zeit des ewigen Durstes war vorbei. Mittlerweile produzieren die Meerwasserentsalzungsanlagen auf Lanzarote über 90% des auf der Insel benötigten Trinkwassers.

Wie funktioniert die Entsalzungsanlage?

In Auffangbecken wird Meerwasser gesammelt und wird vereinfacht ausgedrückt erst einmal durch den Basaltfelsen und mit Sand grob gefiltert. Die eigentliche Entsalzung funktioniert mit dem Prinzip der Umkehrosmose. Das Meerwasser wird durch mehrere Filtertanks geführt und schlussendlich der Wasserdruck mit einem nicht zu unterschätzenden Kraftaufwand mit Hochdruckpumpen von ursprünglich 4 bar auf 60 bis 70 bar erhöht. Nur so kann die Umkehrosmose überhaupt funktionieren. In Druckrohren, in denen sich Membrane befinden, wird nun die Salzkonzentration von ca. 45 Prozent des Wassers auf Trinkwasserqualität reduziert, während bei 55% des Wasser der Salzgehalt erheblich steigt.

Ca. 35 g Salz enthält ein Liter Meerwasser um Lanzarote. Nach der Entsalzung sind je nach Entsalzungsanlage nur noch 0,1 bis 0,4 g Salz in einem Liter Wasser. Bevor das Wasser jedoch in das Trinkwassernetz eingespeist wird, werden ihm noch Chemikalien beigemischt: Natriumkarbonat, Chlorid und Calciumchlorid regulieren Härte, pH-Wert und töten mögliche Bakterien ab.

Also alles bestens? Leider nicht ganz.

Leider ist der Energieverbrauch zur Aufbereitung von Trinkwasser noch relativ hoch. Vor allem die älteren Anlagen der auf Lanzarote installierten Meerwasserentsalzungsanlagen benötigen etwa 4,5 Kilowattstunden (kWh) um einen Kubikmeter Trinkwasser herzustellen. Die weltweit modernsten Anlagen benötigen ca. 3 kWh. Ein Großteil der benötigten Energie kommt aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Auf Lanzarote stammt etwa ein Fünftel der Energie aus dem Windpark von Los Valles, der Rest wird durch die Verbrennung von Diesel produziert und ist damit nicht gerade umweltfreundlich. Bemühungen laufen, um noch mehr auf erneuerbare Energien zu setzen.

Sole als Abfallprodukt
Etwa 55 Prozent des ursprünglich der Entsalzungsanlage zugeführten Meerwassers ist nach der Entsalzung mit Salz angereichert und fließt als Abfallprodukt wieder zurück ins Meer. Wie sich diese Anreicherung mit der sogenannten Sole vor allem im Küstenbereich gibt auswirkt, ist unklar. Fest steht, dass die Sole den Salzgehalt unnatürlich erhöht und damit das Ökosystem mehr oder weniger stark beeinflusst. Eine Veränderung des Algenbewuchses kann schon festgestellt werden. Der Lebensraum von zahlreichen Fischarten verändert sich definitiv. Lösungen könnten lange Rohre zur Verteilung der Sole in tiefere Gewässer oder die Verdampfung des Wassers und die Entsorgung der Sole an Land sein.

Tourismus - Segen oder Fluch?

Die Meerwasserentsalzung benötigt also sehr viel Energie, ist ohne Chemikalien nicht machbar und hinterlässt somit auch Spuren in der Natur. Müsste man den Tourismus also konsequenter Weise ganz einstellen?

So einfach ist das nicht. Leider richten Touristen viel Schaden in der Natur an, bewegen sich rücksichtslos abseits von Wegen und zerstören damit oft nicht sichtbar Flora und Fauna, brauchen Unmengen an Wasser und hinterlassen Müll. Aber andererseits bringen sie nicht nur Geld sondern auch eine andere, nicht zu unterschätzende Chance. Oft nicht mehr rentable Landwirtschaftszweige konnten wieder belebt werden. So sind z.B. die Bauern auf Lanzarote stolz darauf, dass sie einen Großteil der in den Hotels verwendeten Kartoffeln anbauen, Produkte mit Aloe Vera boomen und auch der Weinanbau wird wieder gerne betrieben. Das ist durchaus auch gut für die Insel.

Die vor dem Tourismus von Auswanderungswellen geplagte Insel hat sich erholt, verfallene Höfe und aufgelassen Felder werden wieder bewirtschaftet. Und wenn auch der durchschnittliche Tourist billige Souvenirs aus Fernost bevorzugt, so ist doch auch ein nicht zu unterschätzendes Interesse an heimischem Kunsthandwerk vorhanden. Kunsthandwerk, dass ohne den Bedarf von Touristen längst schon nicht mehr rentabel und in Vergessenheit geraten wäre.

Landwirtschaft auf Lanzarote

Tourismus auf Lanzarote

Lösungen?

Wir alle wollen den Wasserhahn aufdrehen können, duschen und uns waschen, wir bewässern Gärten, Hotelanlagen und Golfplätze. Auch auf einer wasserarmen Insel wie Lanzarote. Ohne Meerwasserentsalzungsanlagen wäre das nicht möglich. Nur dadurch, dass es möglich ist, sollten wir uns nicht dazu verleiten lassen, Wasser zu verschwenden. Gerade auf einer Insel. Dessen sollte man sich vor allem als Tourist bewusst sein.

Beim Zähneputzen Wasser abdrehen. Vielleicht etwas bewusster und kürzer duschen. Handtücher nicht jeden Tag wechseln. Oder Restwasser aus einer Trinkwasserflasche nicht einfach wegschütten, nur weil es etwas lauwarm geworden ist. Der bewusste Umgang mit Wasser kann uns alle etwas lehren.

Wasser sparen

AUTOR: Inizio

Bio- & Naturkosmetik


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